Inhalt des projekts:
Die Schwangerschaft ist eine aufregende Zeit, sowohl für Sie als auch für Ihr Kind, das mit jeder Woche neue Fähigkeiten entwickelt. Vor allem im dritten Trimester, wenn die sensorischen Systeme so weit ausgereift sind, dass Informationen aus der Umgebung verarbeitet werden können.
Noch ist jedoch unklar, ob in diesem frühen Stadium bereits Prozesse der sogenannte multisensorischen Integration stattfinden. Dieses Phänomen beschreibt, wie gleichzeitige Reize aus verschiedenen Sinnesmodalitäten als eine einzige, komplexe und
zusammenhängende Wahrnehmung erlebt werden. Die multisensorische Integration ist grundlegend dafür, dass wir im Alltag unsere Umgebung nicht über einen einzelnen Sinneskanal wahrnehmen, sondern gleichzeitig mit mehreren Sinnen. Sie bildet die Grundlage für die Entwicklung einer Repräsentation des eigenen Körpers. Frühere Studien haben gezeigt, dass Neugeborene bereits Fähigkeiten der multisensorischen Wahrnehmung besitzen. Es ist jedoch noch nicht bekannt, in welchem Entwicklungsstadium diese Fähigkeit ausgebildet
wird. Um das herauszufinden messen wir die magnetische Hirnaktivität von Feten, während sie externen Reizen (Töne und Lichtstimuli) ausgesetzt sind – sowohl unisensorisch als auch multisensorisch.
Die magnetische Hirnaktivität des Fetus wird mittels fetaler Magnetoenzephalographie (fMEG) gemessen. Dies ist eine nichtinvasive, schmerzfreie und völlig passive Technik – das heißt, Sie und Ihr Kind werden zu keinem Zeitpunkt einem magnetischen Feld oder
jeglicher anderer Form von Strahlung ausgesetzt. Bei der fetalen Messung wird vor und nach der Messung ein Ultraschall zur Bestimmung der Kopfposition Ihres Kindes von einer erfahrenen Hebamme durchgeführt. Während der Messung sitzen Sie mit
dem Oberkörper nach vorne gerichtet auf dem fMEG, sodass Ihr Bauch in der Sensorschale liegt. Die Messung findet am fMEG-Zentrum des
Universitätsklinikums Tübingen statt, welches eines von insgesamt nur zwei fMEG-Geräten weltweit besitzt.